Minimalismus trifft Maslowsche Bedürfnispyramide

Was steckt hinter dem Begriff Minimalismus?

Welchen Aspekt zu dem Begriff Minimalismus lasse ich an mich heran, und welcher Aspekt ist mir zu aufwändig und zu zeitintensiv. Das ist ein Thema das mich gerade umtreibt und ich denke, dass einige dieses Thema hinterfragen.

Laut Duden bedeutet Minimalismus

das bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste

Das ist wenig belastbar und läßt sehr viel Freiraum für Interpretationen. Daher würde ich gerne den Begriff auf die Bedürfnispyramide anwenden und herausfinden, ab welcher Ebene es zu „esoterisch“ wird.

Fangen wir also ganz unten an:

  1. Physiologische Bedürfnisse wie z.B. ausreichend Wasser, Licht, Luft, Nahrung.
    • Passt. Hier kann man sich auf das Nötigste beschränken. Ich verbrauche nur das, was unbedingt notwendig ist. Luft und Licht würde ich hier allerdings ausklammern.
  2. Sicherheit
    • Hier kommt der Aspekt „Dach über dem Kopf“ ins Spiel und darüber hinaus auch noch der Wunsch nach festen Strukturen, Gesetzen und Ritualen. Auch hier kann ich zu einem gewissen Grad minimalisieren. Ich kann den Aspekt der Sicherheit reduzieren und damit ein erhöhtes Risiko in Kauf nehmen. Ich kann als Single in eine 10qm Wohnung ziehen ohne an meinem Sicherheitsempfinden etwas geändert zu haben. Die Größe spielt für mein Empfinden keine Rolle, solange ich eine abschließbare Tür, eine Heizung und evtl. ein Fenster habe. Einige mit denen ich gesprochen habe können das aber nicht. Der Aspekt der Sicherheit wird in dem Moment gewichtiger wo kleine Kinder im Spiel sind. Es ist eine subjektive Entscheidung und daher ohne ein generisches Richtig oder Falsch.
    • Gesundheit ist auch ein Aspekt zum Thema Sicherheitsempfinden. Mit höherer Eintrittswahrscheinlichkeit (Alter) ist eine gute ärztliche Versorgung immer wichtiger, da auch das Risiko steigt. Es geht auch in einer Jurte irgendwo im Wald ohne Handy, aber ich denke diese Experimente sind hauptsächlich der Jugend ohne Rücken- und Gelenkschmerzen vorbehalten. Kann ich Gesundheitsbedürfnis minimalisieren? Es gibt bestimmt den ein oder anderen der dies kann, ich mag da allerdings nichts riskieren.
  3. Soziale Bedürfnisse
    • Ja, auch hier kann ich ganz klar minimalisieren. Beschränkung auf das Nötigste meint für mich, dass ich mich nur mit den Menschen in eine soziale Interaktion begebe, die es mir wert sind.
  4. Individualbedürfnisse
    • Der Wunsch nach mentaler, -/körperlicher Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit, Ansehen, Prestige, Wertschätzung, Achtung und Wichtigkeit. Viele Gewohnheiten der „dinglichen“ Welt dienen dazu diese Individualbedürfnisse zu befriedigen. Designerklamotten um Achtung, Prestige und Wertschätzung zu ergattern. Hier sind die unterschiedlichsten Wertebilder ausgehangen mit all Ihren Ausprägungen. Freiheit, Unabhängigkeit, Dominanz, Wichtigkeit, Hilfsbereitschaft und so weiter und so weiter. Und für jeden dieser Werte gibt es materielle „Unterstützung“. Für den „Öko“ gibt es den Öko-Markt und Öko-Produkte, für den „Rebell“ und „Aussteiger“ gibt es Rebellen-Kleidung oder Überlebensseminare im Wald. Kann man hier minimalisieren? Ja, ich kann meine Bedürfnisse ignorieren lernen. Es ist eine Erkenntnis und eine Befreiung wenn man nicht mehr wichtig sein muss, wenn man nicht mehr gegen alles sein muss und wenn man kein Prestige braucht um sich zu mögen. Auf die Frage „Und wie mache ich das?“ habe ich nur eine wirkliche Antwort:

      Raus aus der Komfortzone. Macht das wovor ihr am meisten Angst habt. Scheitert immer und immer wieder und findet heraus, dass man davon nicht stirbt.

  5. Selbstverwirklichung
    • In dem Moment, indem die ersten 4 Bedürfnisse befriedigt sind, sucht der Mensch nach etwas Neuem und strebt nach „Selbstverwirklichung“. Das eigene Potential ausschöpfen. Hier wird es nun für mich zu esoterisch und zu anstrengend. Um bei der Verquickung von Selbstverwirklichung und Minimalismus auf einen grünen Zweig zu kommen fehlt mir einfach die Lust. Das ist Hirnkleister und viel zu abstrakt.

Wenn ich also meine Schlüsse aus diesem Abgleich ziehen möchte, dann kann man ohne viel Hirnkleister die Aspekte Grundbedürfnisse, Sicherheit und Soziale Bedürfnisse auf das Nötigste reduzieren. Da fällt es auch nicht wirklich schwer sich das vorzustellen.

Ab den Individualbedürfnissen wird es schon komplizierter und spätestens bei dem Aspekt Selbstverwirklichung wird es sehr esoterisch.

Was haltet ihr von diesen Überlegungen?

Kommentar verfassen